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Die dunkle Seite der Geschichte

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Die dunkle Seite der Geschichte: Kriege als Quellen von Leid und Bremsen des Fortschritts
 
Dass die Menschen im Laufe der Entwicklung ihres Zusammenlebens immer  mehr Freiheit und Macht erlangten, ermöglichte ihnen nicht nur, mehr Gutes zu tun, schöpferisch tätig zu sein, sondern auch Grausames zu verüben und zu zerstören. Mannigfaltige Zeugnisse belegen eine unglaubliche Verrohung von Menschen, besonders, wenn sie sich auf Kriegszügen befanden.und ihr Hass gegen den "Feind" voll entfesselt war. Hans Dollinger weist dies in seinem  2002 veröffentlichten Werk "Schwarzbuch der Weltgeschichte. 5000 Jahre der Mensch des Menschen Feind" mit ungezählten Beispielen nach
Zunächst will man nicht glauben, dass solche zutiefst bestialischen, grausamen Taten Menschen verübten. Ein tieferer Blick in die Quellen zeigt jedoch, dass sie wahr sind.
Wer dazu meint, das sei ja alles schon sehr, sehr lange her, und man  müsse sich fragen, ob es Sinn mache, noch heute -  in unserer modernen Zeit!  -  daran zu denken. Wer so denkt, sei daran erinnert, dass gegenwärtig auf allen Kontinenten unserer Erde  noch unzählige Ungerechtigketien, zahleiche Grausamkeiten geschehen: ethnische Säuberungen, rassistische Ausschreitungen, Übergriffe besitz- und machtgieriger Staatsmänner o.Ä. - oftmals verbunden mit Massenmorden. Sehr viel Ungemach ist in der Welt infolge ungleicher Verteilung der Ressourcen: Verelendung der Armen, Hungersnöte, Massensterben von Kindern vor Hunger, gewaltsames Niederknüppeln oder -schießen von gegen menschenunwürdige Verhältnisse rebellierenden Menschen usw. -   Man befände sich im tiefsten Mittelalter, ist man geneigt zu meinen, wenn man solches hört, liest oder sieht. Dem ist aber nicht so, all das geschieht heute - in unserer modernen Welt, und es ist allerhöchste Zeit, dass alle Gutwilligen noch energischer und geschlossener dagegen aufbegehren und es beenden. Wie die Geschichte zeigt, geht das nicht von heute auf morgen; es braucht seine Zeit!

Die Tatache, dass es sch zumeist um Verbrechen handelt, die Im Auftrage von Königen, Fürsten und anderen Adligen, im Namen von Staaten und der Freiheit und nicht zuletzt namens der Religion geschehen sind, stützt Dollingers These: "Es gibt Menschen, die Geschichte machen, und es gibt Menschen, die Geschicht erleiden." (Dollinger, S. 7)
Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage wird auch offenkundig, wenn man sich die Geschichte der Nordeifel vergegenwärtigt.
Während des Mittelalters bot sich das Deutsche Reich als ein in ca. 350 Kleinstaaten zersplittertes Gebilde dar. Allein in der Eifel teilten sich rund 60 Herrscherhäuser das Territorium. In ihrer Gier nach mehr Besitz und ihrer Besessenheit von zunehmender wirtschaftlicher und poliitischer Macht brachen die Herrscher permanent Fehden und Kriege vom Zaun  Hinzu kam das gestörte Verhältnis zwischen dem Kaiser (der Zentralgewalt) und den Landesfürsten (den Partikulatgewalten). Letztere nutzten die phasenwese Ohnmacht des Kaisers rigoros aus, um für ihren Herrschaftsbereich ein Höchstmaß an Eigenständigkeit und Macht zu erreichen
In Verfolgung ihrer Ziele schreckten sie vor Kriegen nicht zurück. Nicht selten schlugen sich deutsche Fürsten mit ihren Truppen auf die Seite ausländischer Mächte gegen die deutsche Zentralgewalt oder stellten ihnen - wie z.B..der mächtige Jülicher Herzog im Holländischen Krieg (1672 - 1678) den Franzosen - auf ihem (deutschen) Territorium Stützpunkte zur Verfügung.
Die andauernden Kämpfe schlugen ihre Wellen bis in die stille, abseits gelegene Eifel hinein  Die Eifeler Adelsgeschlechter, die im Spannungsfeld der Großkräfte Jülich und Kurköln agierten und - je nach gegebener Lage - von dieser oder jener Mächtegruppierung in deren Interessensphäre einbezogen wurden, setzten ihre bewaffneten Männer dementsprechend ein.
Entweder waren sie Spielball der Großkräfte,  oder sie pendelten selbst - spezifische Eigeninteressen verfolgend - hier- oder dorthin, um möglichst viele Vorteile für sich herauszuschlagen. Für die einfachen Menschen ergaben sich daraus vielerlei Unwägbarkeien und außerordentlich bedrückende Folgen.
Kriegsentscheidende Schlachten fanden in unserer Region eher selten statt. Hier fehlten landschaftsbedingt die dazu erforderlichen weiträumigen Operationsmöglichkeiten. Darüber hinaus boten die Äcker, deren Ernten noch dazu häufig misslangen, nicht genügend Früchte, um große Heeresverbände versorgen zu können. Die unmittelnbare Integration in Kriegshandlungen war also nicht das Problem. Sehr tragisch nahmen sich dagegen für die Menschen die  Begleiterscheinungen und Auswirkungen der Kriegszüge aus.
Betrachten wir nun dieses Desaster im Einzelnen. Allein im Zeitraum vom 16. bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert fanden  21 Kriege bzw. Metzeleien statt, welche die Nordeifel betrafen. Von den 400 Jahren der genannten Zeitspanne waren rund 150 Jahre (37,5 Prozent) von bewaffneten Auseinandersetzungen geprägt
Die Abstände zwischen den Waffengängen waren recht kurz. In den meisten Fällen beanspruchten sie lediglich die Dauer eines Kindes- oder Jugendalters. Den Menschhen blieb also kaum oder keine Zeit, sich von den Schrecken der Kriege, von den erlittenen Verlusten zu erholen, die  Normalität ihres Lebens wieder herzustellen.
Die folgenden  Fakten stützen sich auf das Buch "Die Eifel 1888 bis 1988", Düren und Trier 1989  Alle Seitenangaben beziehen sich z.T. darauf.
Als der Kaiser im Jülicher Krieg (1542 - 43) gegen den Herzog von Jülich aufmarschieen ließ, gehörte zu seinen Verbündeten Prinz Renatus von Oranien. Dieser schickte seine Heerhaufen brandschatzend und mordend durch das Monschauer Land, befahl, die Stadt  Monschau und die Burg zu erobern und das benachbarte Kloster Reichenstein einzuäschern. (S. 90f.)
Während der Befreiungskriege der Niederlande gegen Spanien (1566 - 1609) richteten spanische und italienische Tuppen schwere Schäden im Monschauer Land an, nahmen wochenlang Quartier im Amt  Monschau  und verursachten Kosten in Höhe von 3 000 Talern. Außerdem stahlen sie den armen Bauern 30 Pferde "sambt Wagen, Karren und Gezeug". (S. 93f.)
Im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 48) ächzte das Jülicher Land jahrelang unter den schweren Belastungen durch Freunde und Feinde, die sich einquartierten und Menschen und Dörfer bis zum Letzten ausraubten. Nachdem die Spanier 1622 Jülich erobert hatten, zogen sie mit 3 000 Mann gegen Monschau und nahmen es mit samt der Burg ein. (S. 98f.)
Nach dem Dreißigjährigen Krieg irrten von den Franzosen besiegte Lothringer während der Jahre 1647 bis 1650  mordend und plündernd in der Eifel umher. Auch das Monschauer Land und das Münsterländchen gerieten zum Schauplatz ihrer tyrannischen Ausschreitungen. Bis das Maß voll war!
Im Jahre 1648 kam es zum Gemetzel von Kalterherberg. Die schwer bedrückten Bauern griffen mit dem Mute der Verzweiflung zu ihren ärmlichen Waffen, um den Mordbuben den Garaus zu machen. Einige hundert Bauern verschanzten sich auf dem Friedhof. Aber was konnten sie gegen die gut bewaffneten und kampferprobten lothringischen Söldner schon ausrichten?!  56 Mann fanden in dem ungleichen Kampf den Tod .Viele wurden schwer verletzt. Etliche brachten die Lothringer nach St. Vith, wo man sie freikaufen konnte.
Vom Holländischen Krieg (1672 - 78), dem Raubkrieg Frankreichs gegen die Niederlande, war die Nordeifel besonders hart betroffen, zumal der Jülicher Herzog den Franzosen sogar Territorium als Aufmarschräume und Stützpunkte zur Verfügung stellte und die Holländer  versuchten, die Kampfplätze möglichst nach hier zu verlagern. Die Monschauer Burg fiel der Zerstöung anheim  Nach ihrem Sieg hielten sich die Franzosen noch mehrere Jahre in der Eifel auf, wo sie die Menschen an verschiedenen Orten furchtbar drangsalierten. (S. 100f.)
Auch im Pfälzischen Krieg (1688 - 97) wurden weite Teile der Eifel infolge  Bündnisverpflichtungen der Pfalz-Neuburger Herrscher des Monschauer Landes zum Kriegsschauplatz. Die schließlich unterlegegenen Franzosen wüteten in einem unvorstellbaren Maße. Wiederum vernichteten sie die Monschauer Burg, plünderten viele Dörfer aus und legten sie nieder. (S.101)
Durch die bewaffnete Auseinandersetzung zwischen dem deutschen Kaiser und dem französischen König um den verwaisten spanische Thron, den Spanischen Erbfolgekrieg (1701- 14), erlebte die Eifel sehr schwere Zeiten  Mehrere Truppendurchmärsche gingen einher mit Requirierungen,  Plünderungen und Brandschatzungen. Erstmals rückten zur Unterstützung der Kaiserpartei auch englische Truppen unter dem Befehl des Feldherrn Marlborough in diie Eifel ein.
Das ganze Elend der vom Krieg betroffenen Bewohner schildernd, beichtete ein die Engländer begleitender Geistlicher: "Die Orte trugen das Gepräge der Verarmung, worin sie die französische Herrschaft gestürzt hatte... Alle Dörfer waren verlassen, die Bauern flohen, als wir uns näherten...Sie schleppten von ihren Habseligkeiten, soviel sie konnten, mit sich fort." (S. 107f.)
Im Krieg um die polnische Krone (1733 - 35) verwüsteten deutsche und französische Soldaten Städte und Dörfer in der Eifel.
Im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740 - 48), in dem es um die Thronfolge in den österreichischen Erblanden ging, kämpfte Jülich an der Seite der Allianz Fankreichs mit Bayern, Sachsen und Preußen gegen die Koalition Österreich, Großbritannien, Niederlande und Russland. Zum wiederholten Male hatten die Eifeler, weil Jülich in den Waffengang involviert war, die ganze Leidensskala des Krieges über sich ergehen zu lassen Österreichische Truppen wie englische Verbände, Letztere in Begleitung von 10 000 Frauen und Kindern, durchstreiften das Gebirge, zogen über Aachen durch die Eifel nach Westen. Sie alle mussten  essen und trinken, mit Quartier usw. versorgt werden. Was mag da in den Oren noch übrig geblieben sein?!
Auch die Sieben Koalitionskriege europäischer Großmächte gegen das revolutionäre bzw. napoleonische Frankreich (1792 - 1815) waren mit sehr hohen militärischen und psychischen Belastungen verknüpft. Die Bürgemeisterei Lammersdorf hatte z.B. beim Rückzug des geschlagenen  napoleoischen Heeres zur Verproviantierung der Stadt Jülich 700 Pfund Speck zu liefern. Bis in das Jahr 1815 hinein waren weitere, bedeutend höhere Forderungen zu erfüllen - dieses Mal allerdings für die Verbände der siegreichen Koalition.
Es seien noch die drei Kriege des ausgehenden 19. Jahrhunderts angeführt: der Krieg Österreichs und Preußens gegen Dänemark (1864), um die dänische Annektion Schleswig-Holsteins rückgängig zu machen, der Deutsche Krieg zwischen Österreich und Preußen (1866), in dem mit dem preußischen Sieg bei Königgrätz die erhebliche territoriale Ausdehnung und die Vormacht Preußens in Deutschland besiegelt wurden, der Deutsch-Fanzösische Krieg (1870/71) infolge der Interessengegensätze bezüglch des Einflusses in Europa, an dessen Ende die Gründung des zweiten Deutschen Kaiserreiches mit dem preußischen König als Kaiser und damit die langersehnte Bildung eines einheitlichen deutschen Nationalstaates stand.
Wie alle Waffengänge in der Vergangenheit erzeugten auch diese durch Einberufungen, Truppen-Durchzüge, Einquartierungen, Fouragierungen und Kriegsabgaben viel Aufregung und Sorge unter den Menschen. Allerdings muß man sehen, dass die mentalen Probleme abgemildert waren, weil sich allmählch eine propreußische Stimmung herausbildete, die sich aus den Erfolgen der 50jährigen Politik des preußischen Staates ergab. Hinzu kam, dass Rheinländer und Westfalen einen nicht
geringen Anteil daran hatten.
.
Wir sind uns dessen bewusst, dass in unserer Heimat auch von den Anfängen bis zum 16.Jahrhundert fast dauernd bewaffnete Auseinandersetungen stattgefunden haben. Weil die zeitliche Dichte derselben im hier behandelten Zeitraum,  Ziele, Ergebnisse und Charakter der Kriege sowie deren furchtbare  Begleiterscheinungen und Auswirkungen am eindeutigsenn nachzuweisen waren und übrigens über die beiden Weltkriege des 20.Jahrhunderts woanders ausführlch berichtet wird, haben  wir uns für das 16. bis 19. Jahrhundert entschieden
.
Zusammengefasst wollen wir nochmals hervorheben, dass in unserem Heimatgebiet insbesondere die überaus fatalen Folgen der zahlreichen Waffengänge von großer negativer Tragweite waren, vielen Leuten das Leben sowie Hab und Gut kosteten und unzähligen Menschen geradezu traumatische Erlebnisse bereiteten. Allzu oft zogen wilde Heerhaufen brandschatzend, plündernd und mordend - nicht selten auch vergewaltigend - durch das Land. Spanier und Lothringer, Holländer und Skandinavier, Engländer, Russen und Franzosen, nicht zuletzt aber auch kaiserliche Verbände und Söldnertruppen deutscher Fürsten - sie alle waren hier,  trieben Schindluder, quartierten sich ein und pressten nach dem räuberischen Motto "Der Krieg ernährt den Krieg" auf brutalste Weise aus dem Wenigen, das die Menschen ohnehin nur besaßen, noch das Letzte heraus. Dies und die ständigen Kriegsabgaben nahmen ein solches Ausmaß an, dass die Nordeifel mehr als nur einmal ans Ende ihrer Kraft, an den Rand des Ruins gelangte.
Als Fazit aus dem oben Dargestellten ziehen wir unsere dringende Empfehlung,  künftig zu den Gründen für die verspätete wirtschaftliche und wissenschaftlich-technische Entwicklung in der Nordeifel - ungönstige natürlche Bedigungen, territoriale Abgeschiedenheit, fehlende Verkehrsanbindung - als weitere Ursache unbedingt auch die vielen, dicht aufeinander folgenden kriegerischen Aktionen und deren fatale Auswirkungen hinzuzufügen. Mit Sicherheit haben auch sie in hohem Maße hemmenmd auf den gesellschaftlichen Fortschritt eingewirkt.
Wir besitzen leider keine authentischen Quellen darüber, inwieweit Lammersdorf von dem Ungemach betroffen war. Dennoch gibt es keinen Grund anzunehmen, die Heerhaufen hätten bei ihren Raub- und  Vernichtungszügen ausgerechnet um unseren Ort einen Bogen gemacht, als sie im Monschauer Land ihr Unwesen trieben.
Wer dazu noch eines Beweises bedarf, mag sich die rasante positive Entwicklng unserer Gesellschaft in der Bundesrepublik vor Augen führen, wie sie sich in den gut sechs Jahrzehnten nach dem II. Weltkrieg, etwa die Dauer eines menschlichen Arbeitslebens beanspruchender solider friedlicher Arbeit vollzogen hat und vollzieht.
 

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