Umbrüche in der Geschichte unserer Region
Kürzlich gab der Kreis Aachen ein neues Buch heraus. Sein Titel lautet: „Umbrüche. Die Region Aachen 1800 – 2009. Vom Roer-Departement zur Städteregion“; der Autor ist Dr. Matthias Pape vom Historischen Institut der RWTH. Auf rund 350 Seiten mit über 120 Abbildungen und Karten wird er dem Thema in eindrucksvoller Weise gerecht.
In akribischer Vollkommenheit beschreibt Pape die zahlreichen Umbrüche, die in den letzten 200 Jahren gemeistert wurden, z.B. jene Umbrüche politischer Art wie den Übergang von der Fürstenzeit zur französischen Fremdherrschaft, von dieser zur preußischen Staatsmacht, vom Kaiserreich in die Weimarer Republik, von letzterer in die nationalsozialistische Diktatur und schließlich vom „Dritten Reich“ zur Bundesrepublik.
Um einen weiteren Komplex von Beispielen zu nennen: Auch die Umbrüche nach 1945 finden Berücksichtigung. Der Autor beleuchtet die Auswirkungen der Kriegszerstörungen, die Aufnahme der Flüchtlingsströme, die Probleme des Wiederaufbaus, des Strukturwandels in der Industrie sowie der Integration von Ausländern, die Gestaltung der Beziehungen zu den westlichen Nachbarn und die Zusammenarbeit mit ihnen. Erwähnt seien auch die Darlegungen des Buches zum Wandel der Gebiets- und Verwaltungsstruktur von 1972.
In diesen Wochen steht nun ein weiterer Umbruch an: die Bildung der StädteRegion Aachen. Der Autor bescheibt, wie sich dieser Umbruch vollzieht.
Zunächst verweist er darauf, dass dieser neuartige Gemeindeverband die Stadt Aachen sowie sieben Städte und zwei Gemeinden des bisherigen Kreises Aachen umfasst Letzterer hört auf zu existieren, wenn am 21. Oktober die StädteRegion Aachen ihre Arbeit aufnimmt.
Zuvor jedoch wählen am 30. August die Bürger der Stadt Aachen den Oberbürgermeister, den Stadtrat und die Bezirksvertretungen. Die Bürger der sieben Städte und zwei Gemeinden wählen jeweils den Bürgermeister und den Stadt- bzw. Gemeinderat.
Alle rund 570 000 Bürger der künftigen StädteRegion gemeinsam wählen am 30. August den Städteregionstag, der an die Stelle des Kreistages tritt, und den Städteregionsrat, der den Landrat ersetzt und den Vorsitz des Städteregionstages innehat .
Was ist nun das grundlegend Neue an dem aktuellen Umbruch?
Während die Umbrüche bisher der Bevölkerung und ihrer Heimat mehr oder weniger übergestülpt wurden und auch die kommunale Neugliederung von 1972 als Reform von oben daherkam, was bis dahin eigenständige Gemeinden zum Widerstand veranlasste, verläuft der Prozess der Gründung der StädteRegion genau umgekehrt: Der Wunsch nach Veränderung kommt aus den Kommunen!
Das vervielfacht die Chancen zur Neugestaltung sowohl im Inneren der StädteRegion als auch im Bereich ihrer Außenbeziehungen.
Was das Innere betrifft, gilt es die Synergieeffekte schnell und zielstrebig zu nutzen, die dadurch wirksam werden, dass alle Aufgaben der Kontrolle ein- und derselben Volksvertretung unterstehen, dass man Doppelzuständigkeiten aufhebt und spürbare Einsparungen für den Steuerzahler ermöglicht, die Infrastrukturentwicklung koordiniert sowie die Werbung für die Kulturveranstaltungen der regionsangehörigen Städte und Gemeinden und den Tourismus fördert.
Im Bereich der Außenbeziehungen kommt es darauf an, getreu dem Logo der StädteRegion Aachen, das nicht ohne Grund eine nach den drei benachbarten Ländern weisende offene Linie darstellt, bestehende Kontakte auszubauen und neue Möglichkeiten eines produktiven, freundschaftlichen Miteinanders auszuloten und zu erschließen.
In dem Maße, wie es zu verdeutlichen gelingt, dass es gemeinsam besser geht, wie wir er es vermögen, das euregionale Pfund klug zu vermehren, um mit ihm wuchern zu können, wird die Städte-Region Aachen zu einer überzeugenden Erfolgsstory.





